Bildstelle: Sebastian Kuß, CC BY-NC 3.0

POTENTIALE DER INTERNATIONALEN JUGENDARBEIT WEITERENTWICKELN, STÄRKEN UND NUTZEN

Mit dem Positionspapier "POTENTIALE DER INTERNATIONALEN JUGENDARBEIT WEITERENTWICKELN, STÄRKEN UND NUTZEN" der BAG-Landesjugendämter, beschlossen auf der 129. AT der BAG Landesjugendämter vom 12.- 13.11.20, adressiert diese die kommunalen Jugendämter, als auch die Akteure im Feld der Internationalen Jugendarbeit.

Mit diesem Papier will die BAG einerseits die Stärken von Internationaler Jugendarbeit herausstellen und andererseits die kommunalen Jugendämter ermutigen, dieses Feld der Jugendarbeit verstärkt aktiv zu unterstützen und gemeinsam mit freien Trägern der IJA weiter zu entwickeln.

 

Gelingens – Faktoren

„Internationale Jugendarbeit funktioniert nur, wenn Jugendarbeit verlässlich und finanziell ausreichend ausgestattet ist. Es braucht eine gut ausgebaute Infrastruktur der Jugendarbeit.“

 

Verlässliche Strukturen

Hierzu gehört auch die personelle Ausstattung. Internationale Jugendarbeit als ein Angebot der Jugendarbeit gem. § 11 SGB VIII muss im unmittelbaren Lebensumfeld von jungen Menschen angesiedelt sein. Junge Menschen brauchen in ihren Lebenswelten verlässliche Ansprechpartner vor Ort. Dementsprechend ist es geboten, Formate zur Stärkung des Handlungsfeldes der Internationalen Jugendarbeit in den Regionen zu entwickeln. Eine Vernetzung der Akteure sowie ein Informations- und Erfahrungsaustausch tragen zur Weiterentwicklung und Professionalisierung der Internationalen Jugendarbeit bei. Verlässliche strukturelle, zuwendungsrechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für die Internationale Jugendarbeit fördern das Engagement der Träger in diesem Handlungsfeld. Die Zuwendungsverfahren - insbesondere der europäischen Programme - müssen transparent und einfach gestaltet sein.

 

Perspektivwechsel der Fachkräfte

Die Zugangsstudie legt nahe, dass ein Perspektivwechsel der Fachkräfte notwendig ist. Nicht die Jugendlichen sind der Grund dafür, warum die Teilnahme am internationalen Jugendaus-tausch gering und ungleich verteilt ist – es liegt weder an deren Desinteresse noch an Unvermögen. Vielmehr gibt es ein großes Interesse, dem aber die vorhandenen Angebote nicht (immer) zu entsprechen scheinen. Angebote sollten daher stärker an Bedürfnisse austauschferner Zielgruppen angepasst werden; auch diese Jugendlichen sollten in die Entwicklung und Organisation des internationalen Jugendaustauschs einbezogen werden. Hierzu benötigen Fachkräfte der Jugendarbeit, die diese Zielgruppen im Rahmen ihrer Angebote der Jugendarbeit bereits erreichen, Qualifizierung zum Thema internationale Bildung. Sie beinhaltet Wissen über mögliche Formate, Voraussetzungen, Interessen und über Hürden, die für Jugendliche bestehen. Fachkräfte sollten selbst (emotionale) Erfahrungen im internationalen Jugendaustausch machen können, um diese weitergeben zu können. Da auch für Fachkräfte Hürden bestehen, sollten Einstiegsformate speziell für begegnungsunerfahrene Multiplikatoren*innen genutzt werden, z. B. niedrigschwellige Auslandserfahrungen, Studienbesuche, Hospitationen, Kennenlern- und Vorbereitungsbesuche.

 

Bedürfnisse der Jugendliche ansprechen, Ängste abbauen

Viele Jugendliche benötigen mehr, richtige und genauere Informationen, und sie benötigen Zuspruch, ggf. heranführende „Schnupper“erfahrungen und vor allem Formate, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Besonders hilfreich sind Personen, denen man vertraut und die eigene internationale Erfahrung haben, Bedenken zerstreuen können und für die Sinnhaftigkeit von internationalem Jugendaustausch einstehen. Nur dann können Jugendliche, die bisher glauben oder auch die Erfahrung machen, dass internationale Angebote nicht für sie gedacht seien, erreicht werden. Es muss auf die Ängste und Bedürfnisse von jungen Menschen, die noch nie im Ausland waren, eingegangen werden.

 

Erweiterung der Förderungen auf Partnerländer

Eine weitere Herausforderung für die Internationale Jugendarbeit ist die in aller Regel nicht vergleichbare Fördersituation in den Partnerländern. Auch die Partnerländer müssten im Sinne der Gegenseitigkeit der Beziehungen für die Internationale Jugendarbeit ausreichende Fördermöglichkeiten zur Verfügung stellen. Dieses ist allerdings nicht immer der Fall und gilt auch nicht in gleicher Weise für Projekte im Rahmen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Es muss überlegt werden, wie die Förderung erweitert werden kann, wenn im Partnerland keine Fördermöglichkeiten bestehen.

 

Hybride Formate und Entwicklung nachhaltiger Alternativen

Die internationale Jugendarbeit muss sich dazu zusammen mit den beteiligten Jugendlichen positionieren, insbesondere in Bezug auf Flugreisen in Länder, die gut mit der Bahn erreichbar sind. Nachhaltige Alternativen und Kompromisskonzepte sind zu entwickeln. Auf-grund der Covid 19 Pandemie und der damit fortschreitenden Digitalisierung wird es in Zukunft verstärkt hybride Formate geben, die allerdings die tatsächlichen Begegnungen in den Partnerländern in keiner Weise ersetzen können.

 

Internationale Jugendarbeit braucht starke politische Entscheidungen

Mit der EU-Jugendstrategie soll Einfluss darauf ausgeübt werden, dass Politikentscheidungen mit Relevanz für die Lebenslagen junger Menschen jugendgerechter werden. Das gemeinschaftliche Wirken innerhalb der EU-Jugendstrategie ist in den drei Handlungsfeldern „Beteiligung, Begegnung und Befähigung“ festgelegt.

Internationale Jugendarbeit braucht gesicherte Strukturen. Sie braucht insbesondere auch im europäischen Kontext den Dialog der Beteiligten - das heißt auch mit der Politik - auf allen Ebenen: Kommune, Land, Bund und EU sowie der Trägerorganisationen und der Jugendlichen selbst – über die Ländergrenzen hinweg. Das ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Demokratie, der internationalen Verständigung und zur europäischen Integration. Die Landesjugendämter und die Jugendämter auf kommunaler Ebene sind wichtige Akteure der Europäischen und Internationalen Jugendarbeit

 

Die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit in Sachsen "Uferlos" unterstützt durch Weiterbildungsangebote, Vernetzungsmöglichkeiten, Verbreitung von Informationen und Projektergebnisses und durch Lobbyarbeit freie und öffentliche Träger der sächsischen Jugendarbeit auf ihren Weg zur Internationalisierung und träg zur Stärkung dieses Arbeitsfeld bei.

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