Vernetzt voran 1 - KickOff (Februar 2017)

Netzwerkveranstaltung der Internationalen Jugendarbeitsszene in Sachsen.

Gemeinsam eine Lobby für die Internationale Jugendarbeit in Sachsen zu bilden und zu festigen bedarf Austausch, Vernetzung und zuvorderst die Möglichkeit sich zu begegnen.

Am 27. Februar 2017 trafen sich aktive sächsischen Träger der Internationalen Jugendarbeit im Riesa e.V. um Pläne, Bedarfe und Ziele für das laufende Jahr abzugleichen und sich darüber auszutauschen. Das Uferlos-Team bedank sich herzlich bei allen beteiligten und engagierten Trägern für die zahlreichen Inputs und die lebhaften Diskussionen.

Eingeladen wurde auch das Ausländerrat Dresden e.V., das seine Arbeit mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund und die Jugendarbeit aus der Sicht des Ausländerrates schilderte.

Außerdem, präsentierte der DJO-Landesverband Sachsen e.V. das Format „internationale JuLeiCa“ für Ausbildung und Anerkennung für Teamer_innen im internationalen Kontext“

Vernetzt Voran 1 wurde in Kooperation mit dem LJBW e.V. organisiert

Logo Landesverband Sächsischer Jugendbildungswerke e.V.
Input I: Ausländerrat Dresden: „Bedarfe und Möglichkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und geflüchteten jungen Menschen vor Ort - Die Jugendarbeit aus der Sicht des Ausländerrates“

Input I: Ausländerrat Dresden: „Bedarfe und Möglichkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und geflüchteten jungen Menschen vor Ort - Die Jugendarbeit aus der Sicht des Ausländerrates“

Der Ausländerrat Dresden e.V. vertreten durch die Mitarbeiter_innen Yvonne Rackel und Ismail Davul stellte zunächst die Arbeitsbereiche des Ausländerrats vor. Speziell zum Thema „Familie, Kinder und Jugend“ wurden hierbei folgende Projekte genannt:

  • Eine mehrsprachige Kita
  • Projekte der Kultur- und Bildungsarbeit
  • Bildungspatenschaften für junge Geflüchtete
  • Mobile Jugendarbeit
  • Flüchtlingssozialarbeit
  • Projekt „Mein Viertel, Mein Kiez“
  • Offener Kinder- und Jugendtreff
  • Elternarbei

Genaueres über die Angebote und noch mehr Projekte können Sie unter der Website des Ausländerrats Dresden e.V. nachlesen: http://www.auslaenderrat-dresden.de/seite/97886/familien-jugendarbeit.html

Als Zielgruppe der o.g. Projekte beschrieben die MA_innen junge Geflüchtete - darunter auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF), junge Migrant_innen (auch in 2. Generation) und einheimische Jugendliche.

Benannte Schwierigkeiten bei der Jugendarbeit des Ausländerrats waren u.a. das Thema Fluchterfahrung und damit verbundene Traumatisierungen, Sprache und Schulbildung (viele Geflüchtete v.a. aus Afghanistan haben nur wenig oder kaum schulische Vorerfahrungen), die Wohnsituation der jungen Menschen (Wohngruppen, Heime), die Wohnsitzauflage, die teilweise auch in Deutschland Familien trennt, und die Einschränkungen in der Reisefreiheit: in den ersten 3 Monaten in Deutschland darf der Landkreis bzw. die kreisfreie Stadt nicht verlassen werden, danach kann nur in Deutschland gereist werden – internationale Angebote sind dadurch nur für Geflüchtete möglich, die bereits einen Aufenthaltstitel und somit Pass erhalten haben. Menschen mit „Duldung“ bzw. Jene, die noch im Asylverfahren sind, dürfen Deutschland zu Reisezwecken nicht verlassen – Sondergenehmigungen für Schüler_innen bei Klassenfahrten sind möglich, sind allerdings Einzelfallentscheidungen der einzelnen Sachbearbeiter_innen der Ausländerbehörden. Ein weiteres Problem zu angebotenen Projekten war das Thema Finanzen – gerade junge Geflüchtete sind oft nicht in der Lage, mehr als einen symbolischen TN_innenbeitrag zu zahlen.

Somit ist eine klassische IJA im Sinne von Jugendaustauschen in Europa nur erschwert möglich bzw. wäre ein „exklusives“ Angebot, was viele Jugendliche ausschließen würde. Internationale und interkulturelle Begegnungen finden jedoch schon jetzt in der täglichen Arbeit des Ausländerrats durch die Angebote (Patenschaften, Tandems, offener Jugendclub) und gesonderte Projekte statt, da sich die Angebote und alle Migrant_innen verschiedenster Herkunft und einheimische Jugendliche gleichzeitig richtet.

Dieses Angebot besteht für einheimische wie nicht einheimische Jugendliche, der Fokus liegt jedoch eindeutig auf letzteren. Interessant für eine Kooperation wäre die Anbahnung und Fokussierung auf die Begegnung einheimischer und nicht einheimischer Jugendlicher. Zwar gibt es bereits Ansätze (siehe vorheriger Absatz), diese sind jedoch ausbaufähig.

Input II: DJO- Landesverband Sachsen:„Juleica und die Internationale Jugendarbeit. Das Konzept für Ausbildung und Anerkennung für Teamer_innen im internationalen Kontext“

Input II: DJO- Landesverband Sachsen:„Juleica und die Internationale Jugendarbeit. Das Konzept für Ausbildung und Anerkennung für Teamer_innen im internationalen Kontext“

Die DJO – deutsche Jugend in Europa bietet u.a. Jugendkulturarbeit, Unterstützung bei der Realisierung von eignen Projekten von Jugendgruppen und eine internationale/ interkulturell JuLeiCa an, die im Mittelpunkt des Inputs stand.

Zielgruppe für die internationale/ interkulturelle JuLeiCa sind einheimische und geflüchtete bzw. migrierte Multiplikator_innen aus Deutschland und die Multiplikator_innen aus den Partnerländern (auch Einheimische und Geflüchtete/ Migrant_innen) – ab 16 Jahre.

Bisher wurde die JuLeiCa mit Partnerorganisationen aus Tschechien und Rumänien organisiert (bi- und trilateral).Ziel der internationalen/ interkult. JuLeiCa sollen der Erwerb von interkultureller/ internat. Kompetenz und somit die Qualitätssicherung- und steigerung von internat. Jugendbegegnungen/ der IJA sein.

Als Herausforderungen beim Konzept „Internationale/interkulturelle JuLeiCa“ wurden beschrieben:

  • Die TN_innen-Akquise
  • Personelle Ressourcen v.a. im Hinblick auf Sprachmittlung – die Teamer_innen sind auch immer ein internationales Team, wobei die Teamer_in der Partnerorganiosation aus dem Ausland auch die Sprachmittlung übernimmt und somit in einer Doppelrolle ist
  • Das richtige Format (eine Woche/ 2 einzelne Wochenenden), der richtige Zeitpunkt im Jahr
  • Anpassung der Inhalte auf die jeweiligen Partnerländer (z.B. rechtliche Vorschriften in Tschechien und Rumänien)

 Neben diesen „Stolpersteinen“ konnte das Konzept der JuLeiCa der DJO viele Erfolge erzielen, so z.B.:

  • das weiterführende Engagement von Jugendlichen in der DJO, die die JuLeiCa erhalten haben
  • die Realisierung von eigenen Projekten von TN_innen der JuLeiCa im Anschluss
  • das Entstehen von internationalen privaten Kontakten und Freundschaften aus der TN_innengruppe heraus
  • eine deutsch- tschechische Multiplikator_innen-Fortbildung zum Thema „Arbeit mit Geflüchteten“

Weitere Informationen zur DJO und zum Konzept der internationalen JuLeiCa finden Sie in der Präsentation der DJO

Workshop I„Vernetzt vor Ort: Ansätze und Modalitäten für die Einrichtungen der IJA in Sachsen sich gegenseitig zu unterstützen und Kooperationen anzubahnen.“

Workshop I„Vernetzt vor Ort: Ansätze und Modalitäten für die Einrichtungen der IJA in Sachsen sich gegenseitig zu unterstützen und Kooperationen anzubahnen.“

Im Workshop 1 des „Vernetzt voran I“ konnten sich die TN_innen über das Thema „Vernetzung vor Ort“ mit den Themenschwerpunkten.

  • „Modalitäten und Schwerpunkte der Vernetzung“,
  • „Ziele und Kooperationspartner“,
  • „Schwierigkeiten“
  • „Verabredungen“

austauschen.

1. Modalitäten und Schwerpunkte der Vernetzung

Lose Verabredungen und gelegentliche Treffen zwischen den Akteur_innen der IJA sind nicht zielführend. Im Gegensatz dazu, sind gezielte und thematisch angebundene Vernetzungstreffen viel effektiver und stellen konkrete Möglichkeiten dar, strategische Orientierung und Fahrpläne zu formulieren. Diese Art von „operativer Vernetzung“ kann dann als Anlass für die Entwicklung von gemeinsamen Vorhaben, für die Abstimmung über öffentlich wirksame Veranstaltungen und  für eine effektive Teilung von Ressourcen genutzt werden. Als Beispiel kann man sich Vernetzungen vorstellen, die eine landesweite Teamer_innen-Börse oder die Festlegung von Fachstandard der IJA als Schwerpunkt  haben. In ähnlicher Weise kann die Vernetzung der IJA-Akteure (freien und öffentlichen Trägern der Jugendarbeit und Jugendhilfe) in Sachsen themenspezifisch mit Partner_innen aus anderen Bildungsbereichen (z.B. der formalen Bildung, wie Schulen, Berufsschulen und Hochschulen), aus anderen gesellschaftsrelevanten Bereichen (Interessengruppen, Sozialunternehmer_innen, Elternräte u.s.w.) und mit Vertretern jugendspezifischer Freizeit- und kulturellen Angeboten geschehen. 

2. Ziele und Kooperationspartner

Vernetzungstreffen und Kooperationen sollen u.a. folgende Ziele haben:

  • Umsetzung der IJA in Sachsen erleichtern
  • größere Anerkennung der IJA erreichen
  • Projekte und Veranstaltungen gemeinsam planen
  • Synergien zwischen den Akteur_innen schaffen
  • Beratungsangebote und Informationsaustausch ermöglichen
  • Qualitätsstandard festlegen
  • Öffentlichkeitsarbeit und thematische Schwerpunkte abstimmen
  • Bekanntheitsgrad für Aktivitäten „kleinerer“ Träger erhöhen
  • Lobbyarbeit nach „außen“ tragen
  • Jugendliche miteinbeziehen

So können sich z.B. Träger der IJA treffen, um gemeinsame Projekte für das kommende Jahr abzustimmen und Angebote für verschiedene Zielgruppen formulieren. Oder auch gemeinsame Veranstaltungen organisieren, die zu einer effizienteren Nutzung von Ressourcen und größeren Wirkung der Öffentlichkeitsarbeit führen sollen.

3. Hindernisse

Eine der größten Schwierigkeit für eine intensivere Vernetzung der Akteur_innen stellt die Frequenz und Intensität der Veranstaltungen dar. Hier sind Interessierte mit der Zeitfrage konfrontiert -  wie oft können sie an Vernetzungstreffen teilnehmen und wie lange können sie sich außerhalb der „täglichen Arbeitsverpflichtungen“ aufhalten?  Viele Einrichtungen haben nicht ausreichend Personalkapazitäten sich öfter in Gremien und Arbeitskreisen  einzubringen. Gerade kleinere Träger sehen begrenzte Möglichkeiten eine intensivere Vernetzung für sich zu nutzen. Um diese Problematik zu umgehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zum einen, sind einzelne Einrichtungen oft in einer Verbandstruktur eingebunden, welche ihnen erlaubt durch die Teilnahme von Dachverband-Vertreter_innen an Informationen zu gelangen. Zum anderen können die einzelnen Träger selbst innerhalb deren Verbandstruktur die durch die Vernetzungsaktivitäten gewonnen Informationen in größeren Kreise (Mietgliederversammlungen, Arbeitsgruppen und regelmäßige Verbandtreffen) einspeisen und diese für andere Verbandmitglieder zugänglich machen. Auch durch die „virtuelle“ bzw. digitale Verbreitung von Vernetzungsergebnissen innerhalb des Netzwerkes kann der zeitliche Aufwand umgegangen werden. Nichtdestotrotzt ist oft eine effektive Zusammenarbeit und Vernetzung mit persönlichem Engagement verknüpft, d.h. in der Personalstruktur eines Trägers sind lediglich wenige „Einzelkämpfer_innen der IJA“ aktiv. Fallen diese Personen (aus zeitlichen oder terminlichen Gründen, wegen Arbeits- oder Schwerpunktwechseln)  aus, wird der Träger nicht mehr in der Lage sein, sich aktiv in das Netzwerk einzubringen oder am Informationsfluss  teilzuhaben.

4. Verabredungen

Aus dem Workshop sind konkrete Verabredungen formuliert worden. Zum einen findet am 01.06.2017 das Uferlos „Infotreffen“ in Leipzig statt. Hier besteht die Möglichkeit in Zusammenarbeit mit dem „Europa-Haus“ und mit dem Netzwerk „Internationale Jugendarbeit Leipzig“ eine gemeinsame Veranstaltung zu planen. Desweiteren möchte das Jugendamt Dresden Arbeitsgruppen zu Internationaler Jugendarbeit ins Leben rufen und mit verschiedenen Trägern der Jugendarbeit und Jugendhilfe zusammenarbeiten. Außerdem findet im Herbst die ursprünglich für April geplante Uferlos-Fachtagung der IJA in Sachen statt. Schließlich sind alle Interessierten am 9.11.2017 zum „Vernetzt voran II“  nach Chemnitz eingeladen. Außerhalb dieser festen Termine kann auf weitere Veranstaltungen hingewiesen werden, die wie im Punkt 1. geschildert, themenspezifisch und zielgebunden von unterschiedlichen Trägern angekündigt werden.

Fernab von „Präsenz-Veranstaltungen“ soll eine intensivere Vernetzung der sächsischen Akteur_innen der IJA durch digitale Plattformen und andere Informationskanäle (Facebook und social media) ermöglicht werden.

Workshop 2 „Fördermöglichkeiten für Maßnahmen der IJA Sachsen: Was ist möglich und was kann entwickelt werden. Bedarfe und Anforderungen für die Entwicklung einer sächsischen Förderrichtlinie örtliche

Workshop 2 „Fördermöglichkeiten für Maßnahmen der IJA Sachsen: Was ist möglich und was kann entwickelt werden. Bedarfe und Anforderungen für die Entwicklung einer sächsischen Förderrichtlinie örtliche

Im Workshop 2 des „Vernetzt voran I“ konnten sich die TN_innen über das Thema „Förderung der IJA“ mit den Themenschwerpunkten

  • „Bisher genutzte Fördermöglichkeiten“,
  • „Schwierigkeiten bei den bestehenden Fördermöglichkeiten“ und letztendlich daraus resultierend:
  • „Wünschenswerte Ideen zu einer landesweiten Förderrichtlinie“

austauschen.

1. Fördermöglichkeiten

Zu den bisher genutzten Fördermöglichkeiten zählten laut TN_innen vor allem die Förderungen über:

  • den KSV
  • den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond
  • das ERASMUS+ Programm
  • den Kinder-und Jugendplan (KJP) des Bundes
  • das Ziel-3-Programm

 

2. Schwierigkeiten

Dabei wurden bei fast allen Fördermöglichkeiten folgende Schwierigkeiten aufgezählt:

  • Es gibt einen hohen zeitlichen und bürokratischen Aufwand bei der Antragsstellung sowie bei der Abrechnung, besonders bei ERASMUS+.
  • Oft bekommen die Träger erst sehr spät die Zuwendungsbescheide für die Projekte. Dies erschwert eine gute Planung und eine angemessen TN_innen-Akquise. Die Beantragung eines vorzeitigen Maßnahmebeginns zur Abwendung dieses Problems ist nicht immer möglich.
  • Teilweise ist die Co-Finanzierung von Kommunen und Städten eine Voraussetzung, die nicht erfüllt werden kann.

Konkreter wurden zu folgenden Förderprogrammen folgende Probleme benannt:

Programm
Schwierigkeit
KSV
Kleinere örtliche Träger können nicht beim KSV beantragen. Viele örtliche Jugendämter, die die Mittel abrufen könnten, tun dies nicht. Außerdem ist bei dieser Förderung kein vorzeitiger Maßnahmebeginn möglich.
Erasmus+
Beim Erasmus+ gib es einen extrem hohen Aufwand für Antragsstellung und Abrechnung (jede Person muss in der Abrechnung einzeln aufgeführt werden)
Jugendwerke
Über die Jugendwerke (z.B. Deutsch-Tschech. oder Deutsch-Poln. Jugendwerk) werden nur bi- oder trilaterale Austausche gefördert. Für Multilaterale Maßnahmen kann hier kein Antrag gestellt werden.
Ziel 3
Im Ziel-3-Programm sollen wohl einige Regionen Sachsen aus der Förderung herausgefallen sein.

3. Ideen und Gedanken zu einer landesweiten Förderrichtlinie

Da die IJA im Freistaat Sachsen wieder stärker aktiviert werden soll, die gegebenen Fördermöglichkeiten aber wie oben beschrieben mit diversen Schwierigkeiten und „Stolpersteinen“ verbunden sind und dies sicherlich einige Träger von der Beantragung solcher Projekte abhält, ist in der Diskussion, eine landesweite Förderrichtlinie für Maßnahmen der IJA zur hürdenfreieren Antragsstellung zu entwickeln. Ziel ist hierbei der qualitative und v.a. quantitative Anstieg von einzelnen Projekten der IJA.

Die TN_innen diskutierten hier divers über verschiedene Punkte. Es wurde eingebracht, dass sich das Landesjugendamt dem Thema der IJA stärker annehmen sollte und diesbezüglich seine Lobbyarbeit in den kommunalen Jugendämtern  zum Thema verstärken sollte. Wünschenswert wäre eine Einbindung der IJA in die einzelnen Kinder- und Jugendhilfepläne.

Es gab eine kontroverse Diskussion darüber, ob die Kommunen und Städte zur IJA verpflichtet werden sollten (Nach der Idee: „In jeder Kommune sollten im Jahr „x“ Projekte der IJA durchgeführt werden“). Hintergrundidee war hier, dass in der Jugendhilfepauschale eigentlich bereits anteilig Mittel für die IJA enthalten sind. Als Gegenargument hierzu wurden die Trägerhoheit und die Hoheit der Kommunen (Recht auf kommunale Selbstverwaltung) angebracht. Das Land kann den Kommunen nicht vorschreiben, wofür Sie ihr Geld ausgeben sollen und auch können freie Träger nicht verpflichtet werden, bestimmte Maßnahmen durchzuführen. Fatale Folge wäre, dass weniger Geld für etablierte Maßnahmen ausgegeben werden könnte. Eine Alternative wäre die Verpflichtung an einer von mehreren Vereinen eines Landkreises gemeinsam geplanten internationalen Veranstaltung teilzunehmen.

Ein weiterer Punkt war die Kritik an der anteiligen Berechnung kommunaler Mittel im Verhältnis zu den Landesmitteln. Das heißt, der Landesanteil verringert sich um die Summe, die die Kommunen o. a. dazu geben. Stattdessen sollten alle Zuschüsse kumulativ gewertet werden. Alle Teilnehmende waren damit einverstanden. Ebenfalls zwei Ideen gab es bei der Abrufung der Fördermittel. Die Gruppe diskutierte, ob das direkte Abrufen der Mittel durch die örtlichen Träger beim Land sinnvoll wäre oder ob die Mittel besser an einen landesweiten Träger ausgeschüttet werden sollten, bei dem dann die örtlichen Träger ihre Anträge stellen können. Es gab hierzu kein abschließendes Ergebnis in der Diskussion – beide Varianten  wurden als gängige Möglichkeiten diskutiert.

Eher einheitlich wurden sich folgende Punkte zu einer Förderrichtlinie gewünscht:

  • Die Träger sollten ca. ein halbes Jahr sichere Planungsphase haben, d.h. die Zuwendungsbescheide sollten mind. ein halbes Jahr vor dem konkreten Maßnahmebeginn ergehen.
  • Es sollte eine mehrjährige Beantragung (z.B. Austausch Deutschland-Tschechien 2017 und Rückaustausch 2018) möglich sein bzw. eine vereinfachte Beantragung bei Folgeprojekten.
  • Es sollte die Möglichkeit von kurzfristiger Bezuschussung von fehlenden Mitteln bei Bedarf geben

Die AGJF Sachsen e.V./ das Projekt Uferlos schlug in der Auswertungsrunde vor, zum Thema „Förderrichtlinie“ noch weitere konkretere Diskussionsrunden anzubieten, um die „Stimmung“ bei den einzelnen örtlichen Trägern zum Thema gut einzufangen und dann in anstehenden Verhandlungen auf Landesebene weiterzutragen.

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